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Heilbronn - Er lebt unter uns. Wohl erzogen wurde er von seinen ach so patenten 68er Eltern, er ist höflich und unendlich respektvoll, schmutzt nicht und füllt brav die Biotonne. Nennen wir ihn der Einfachheit halber Daniel, ein ewiges Kind, das gerne Reiner Calmund imitiert und auf Udo Lindenberg macht.
"Alles panikmäßig geil hier", flötet er dann gerne und findet sich selbst unendlich endgeil. Frauen reißt man damit eher nicht auf. Weder damals, bei der Schulparty, noch heute, da er mit Schmackes auf die Midlifecrisis zusteuert. Wie wird ein Mann zum Mann? Die Geschichten um Schattenparker und andere Softies haben einen langen Bart, was den Kölner Comedian Moritz Netenjakob jedoch − als Verfasser köstlichster "Stromberg"-Episoden hat er 2006 den renommierten Adolf-Grimme-Preis abgestaubt − nicht weiter irritiert hat. Mit dem "Macho Man", seinem Debüt als Autor, hat er das Thema, ergänzt um einen deutsch-türkischen Clash der Kulturen, aufgewärmt.
Auf dem Theaterschiff ist in der Regie von Heinz Kipfer nun eine von Gunnar Dressler entschlackte Bühnenfassung zu sehen.
Ein langer Monolog eines einsamen, verletzlichen Mannes, der, so scheint es, von seinen Eltern nicht das Rüstzeug zum Überleben bekommen hat. Ein wunderbarer Parforceritt für den Karlsruher Schauspieler Dirk Emmert, der aus der unterkomplexen, um nicht zu sagen eindimensionalen und klischeebeladenen Story alles herausholt, was herauszuholen ist. Und wie Dirk Emmert diesen Underdog spielt: Verletzlich ist er und gleichzeitig angreifbar durch seine ewige Blödelei, verliebt und entliebt, ein überfordertes wie eingeschüchtertes Menschenkind, das nach seiner Rolle als Mann sucht. Denn jetzt muss Emmerts Daniel Farbe bekennen. Er hat sich in Aylin verliebt, eine Deutschtürkin. Eine Elternzusammenführung muss überstanden werden und ein Kaffeesatzlesen.
Kaffeesatz gehört in die Biotonne, dass das mal klar ist. Doch mit den lieben Eltern geht das nicht so leicht. Der Monolog wandelt sich in ein Kreuzverhör. Werte gilt es zu diskutieren, Traditionen anzuerkennen. Köstlich wird die Xeno-Philie der 68er Eltern aufs Korn genommen, der angelernte Multikulturalismus verballhornt. Doch viel fällt Netenjakob, der Autobiografisches verarbeitet hat, nicht dazu ein. Auf Hallervorden-Niveau begibt er sich, auf "Palim Palim" Gegackere, bei der auch die berühmte "Flasche Gyros" nicht fehlen darf. Riesenapplaus für Dirk Emmert.
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